Weil die Westküste einige, für uns völlig unerwartete, schöne Dinge zu bieten hatte, reichte ein Ausflug hierher nicht aus. Auf der kurzen Strecke zwischen Marsala und Trapani gibt es so unendlich viele Dinge, die einen Abstecher wert sind. Von einigen möchte ich berichten.
Westlich von Trapani liegt eine Inselgruppe, die Ägadischen Inseln. Favignana, Levanzo und Maretimo sind die drei Inseln, die zu diesem Archipel gehören. Sie sind bequem von Trapani mit der Fähre in zwanzig Minuten zu erreichen. Die geographische Nähe Afrikas blieb uns hier nicht verborgen. Das Klima und die Vegetation waren fast wie auf dem benachbarten schwarzen Kontinent. Im Altertum waren die Inseln während der punischen Kriege Schauplatz der Seeschlacht, in welcher die römische Flotte im Jahr 243. v. Chr. die Karthager besiegte.
zwischen Marsala und Trapani liegen die ägadischen Inseln
Heute liegt etwas unerklärlich idyllisches, ruhiges über den Inseln. Es fehlt hier der hektische Straßenverkehr, der sonst auf Sizilien allgegenwärtig ist. Marettimo, die westliche der Inseln ist ein riesiger Berg im Meer. Favignana, die Größte, ist touristisch am erschlossensten und Levanzo ist berühmt wegen der Grotta del Genovese. Auf jeden Fall sollte man einen Ausflug zu den Ägadischen Inseln einplanen.
Matanza
Auf Favignana ist wohl das Bekannteste die "Matanza", der traditionelle Thunfischfang. Hier ist der einzige Ort wo dieses uralte Ritual ein mal im Jahr durchgeführt werden darf. Allerdings sollten diejenigen, die kein Blut sehen können dem Spektakel fern bleiben. Die Fischernetze liegen im Meer und man wartet auf die vorbeiziehenden Fische. Dann werden die Netze Richtung Land eingeholt und die Fische mit Haken an Land oder in ein Boot geholt und geschlachtet.
Levanzo war in absolutes Erlebnis. Die Insel ist überschaubar klein und den Wohnort kann man in wenigen Minuten zu Fuß durchqueren. Das Foto zeigt den Hafen von Levanzo sowie die Wohnhäuser der Insel. Straßen in dem Sinne wie wir sie kennen, gibt es hier nicht; sie sind so schmal, dass zwei Vespas Probleme haben, aneinander vorbei zu kommen. In dem kleinem Hafenbecken badeten die Kinder und alle Touristen wurden neugierig von Ihnen betrachtet.
Levanzo
In der Grotta del Genovese wollten wir die Malerei der Steinzeitmenschen anschauen. Etwa zwanzig Leute warteten auf die Führung, die am kleinen Hafen beginnen sollte. Mit zwei winzigen Fischerbooten begann die abenteuerliche Fahrt. Durch glasklares Wasser, in dem man Tintenfische und Seeigel sehen konnte, fuhren wir auf die andere Seite der Insel. Ein kurzer Aufstieg zu der Grotte und wir standen vor einer großen Öffnung in der Tropfsteinwand.
der Eingang zur Grotta del Genovese
Höhlenmalerei
Im Inneren der Öffnung sahen wir den Eingang zur eigentlichen Grotte, einen Durchgang den der Unwissende eher als Mauseloch gedeutet hätte. Der Führer der Gruppe bemühte sich für uns mit Händen und Füßen und einem Mix aus italienisch, englisch und deutsch die Malereien zu erklären. Thunfische, Hirsche, Wildschweine und die dazugehörenden Jagdszenen wusste er zu deuten und zu erklären.
von Steinzeitmenschen dargestellte Jagdszenen
hier ist ein Delphin zu erkennen
Ein paar Tage später waren wir bereits wieder an der Westküste, weil wir uns die vielen Windmühlen anschauen wollten, die hier zuhauf das Bild der Landschaft prägten. Wir waren in den Salzgärten von Sizilien angekommen. Die Mühlen werden nicht nur zum Mahlen des Salzes eingesetzt. Man pumpt damit auch das Wasser von Meer in die Becken zur Salzgewinnung.
Windmühlen helfen bei der Salzgewinnung
Sucht man auf der Salzverpackung nach den Zutaten, findet man "Mare, Sole, Vento". Aus Meer, Sonne, Wind und natürlich der menschlichen Arbeitskraft wird hier heute noch Salz gewonnen wie vor Jahrhunderten. Lange waren die Salinen verfallen, weil sie der modernen Salzgewinnung nicht standhalten konnten, aber Dank dem Engagement einiger Weniger wird hier wieder auf traditionelle, manuelle Art gearbeitet. Die einzigen Maschinen, die hier verwendet werden, sind Bagger zum Verladen.
Saline
Wir besuchten die Saline "Ettore Infersa" und hatten das große Glück, das sich der Chef des Hauses die Zeit nahm uns persönlich durch die Salinen zu führen. Sogar bis ins Obergeschoss der Windmühle durften wir um die beeindruckende Mechanik zu sehen. Wir bekamen von ihm eine Erläuterung über die einzelnen Schritte der Salzgewinnung und natürlich nahmen wir auch etwas Salz mit nach Hause.
viel Handarbeit bei der Salzgewinnung
hier wird das gewonnene Salz gelagert und getrocknet
Von den Salinen aus kann man einen Abstecher in die Antike unternehmen. In der Lagune liegt die Insel Mozia. Auch hierzu gibt es Informationen unter dem entsprechenden Link in der Navigation.
die Insel Mozia
Marsala ist schon wegen des weltweit bekannten Weines einen Abstecher wert. Während der napoleonischen Herrschaft über Europa suchten hier die Engländer nach einem Ersatz für ihren über alles geliebten Portwein von dem sie abgeschnitten waren. Auf keinen Fall sollte man darauf verzichten diesen Wein zu probieren. Die Sizilianer nehmen ihn gern mit Mandelgebäck zum Dessert, welches dann in den "Marsala" eingetaucht wird.
Etwas am Stadtrand befindet sich der westlichste Punkt Siziliens. Ein Obelisk erinnert dort an die Landung Giuseppe Garibaldis, der im Jahr 1860 mit seinem legendären Zug der Tausend hier ankam und den Zusammenbruch des Bourbonenreiches maßgeblich mit entschied.
Marsala, der Hafen Allahs, war wie der Name sagt lange Zeit in den Händen der Araber. Man kann es sehr deutlich an der Architektur der Altstadt erkennen. Durch die "Porta Garibaldi" hindurch gelangt man zur "Chiesa Madre", einer großen, barocken Basilika. Auch hier erinnern die Türme an die arabischen Einflüsse. Etwas Zeit zum Erkunden der Altstadt sollte man mitbringen und einen schattigen Platz vor einer Bar findet man allemal, auch wenn man wie wir genau zu Beginn der Siesta hier ankamen.
Porta Garibaldi in Marsala
ein punisches Schiff
Ein Highlight unter den vielen Museen in Marsala ist für mich das "Museo Archeologico della Nave Punica". Hier kann man die Reste eines punischen Schiffs bestaunen, das man vor Marsala gehoben hat. Außerdem sind hier Amphoren aller Art und Größe ausgestellt die Jahrhunderte lang im Meer gelegen haben.