Eigentlich ist ganz Mozia ein Museum. Die Stadt wurde im 8. Jh. v. Chr. von Phöniziern in einer Lagune auf der Insel San Pantaleo gegründet. Unter Pinien, Palmen, Aloen und Weingärten kann man die beachtlichen Überreste der einst stark befestigten phönizischen Hafenstadt erkunden.
die versunkene Straße zur Insel Mozia
Mozia erreicht man mit den kleinen Fährbooten, welche nach Bedarf die Besucher zur Insel übersetzen. Außerdem kann man ein Kanu für Fahrten in der Lagune und zur Insel mieten. Eine weitere Möglichkeit zu der kleinen Insel zu gelangen ist der etwas abenteuerliche Weg über die heute versunkene Straße, welche einst Mozia mit Sizilien verband. Sie befindet sich wenige Zentimeter unter dem Wasserspiegel und wird heute noch während der Weinlese von Karren befahren.
Die Befestigungsanlage
das Nordtor der Befestigungsanlage
Ganz Mozia war rundum durch Mauern und Türme gesichert. Ein imposantes Bollwerk war das Nordtor, von dem die versunkene "Strada Punica" zum Festland führte. Es war ein komplexes Verteidigungssystem mit zwei auf Türmen hervorstehenden Stellungen, innen mit dreifachen Pforten die jede zwei Türen, also Ein- und Ausgang, hatte.
Man kann auch noch sehr deutlich die Spuren der schweren Karren erkennen, welche einst zum und vom Festland kamen. Entlang des Strandes findet man überall die Reste der Mauer mit seinen etwa zwanzig Türmen.
Das Cothon
das gut erhaltene Hafenbecken
Im Süden der Insel findet man die Hafenanlage. Sie ist 2500 Jahre alt und wurde mit allergrößter Sorgfalt von den Phöniziern im 6. Jh. v. Chr. errichtet. Das Hafenbecken hat eine Größe von 50 x 37 Metern und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach hauptsächlich zur Reparatur beschädigter Schiffe genutzt.
Der Boden des Beckens wurde aus dem Fels gehauen und die Wände mit den Felsplatten verkleidet. Ein vom offenen Meer kommender schmaler Kanal erlaubte kleinen Schiffen und Booten den Zugang. Das Becken diente also nicht nur dem Unterhalt der Schiffe, sondern auch als Dock zum Be- und Entladen der gehandelten Waren.
Die Tiefe des Beckens war allerdings so angelegt, dass nur die kleineren Schiffe ins Stadtinnere kamen. Die größeren Handelsschiffe mussten weiter außerhalb im schiffbarem Kanal ankern und wurden vermutlich mittels kleiner Fährboote be- und entladen. Die Einfahrt in den Hafen war nur durch die starke Befestigungsanlage möglich, vorbei an drei Türmen und dem Südtor. Hafenanlagen ähnlicher Art und Funktionsweise fand man in Nordafrika in Karthago.
hier wurden die Güter entladen und Schiffe repariert
die Urnen der Opfer - das Tophet
Das Tophet
Unweit des Nordtores liegt eine durch die Stadtmauer geteilte Nekropole. Man sieht die Steingräber und die Reste der Grabbeigaben. Gleich nebenan findet man das Tophet, hier im Bild. Es besteht aus einer bescheidenen Tempelanlage mit kleinen Gruben, Votivstelen und den Urnen mit den Resten der Knaben, welche als
Menschenopfer dem Gott Baal - Amon gebracht wurden. Das Tophet von Mozia hat sich im Vergleich zu anderen solcher Kultstätten im Mittelmeerraum, im Orient und in Afrika erstaunlich gut erhalten.
Das Haus der Mosaike
wunderschöne Mosaike kann man hier bestaunen
Wenn man am Bootssteg angekommen ist, führt ein Weg unter rot blühenden Aloen ins Innere der Insel, direkt auf das "Haus der Mosaike" zu. Die wunderbaren Mosaike sind datiert worden auf die Zeit nach 397 v. Chr., also nach der Zerstörung Mozias.
Sie waren Bestandteil eines römischen Herrenhauses, welches auf punischen Grundmauern erbaut wurde. Die dekorativen Mosaike stellen Jagdszenen dar und Kämpfe zwischen anderen Tieren wie Löwen und Greifen. Die Mosaike bestehen ausschließlich aus weißen und schwarzen Kieseln.
Museum der Whitakerstiftung
Museum der Whitakerstiftung
In der ehemaligen Villa des englischen Weinmagnaten Joseph "Giuseppe" Whitaker ist das eigentliche Museum untergebracht und bildet zusammen mit der Insel und seinem archäologischem Kulturgut die Whitaker Stiftung. Vorm Eingang des Museums steht eine Skulptur aus dem 7. Jh. v. Chr., die einen Stier darstellt, welcher von zwei Löwen angegriffen wird. Im Museum sind etliche Votivstelen ausgestellt, die an die Menschenopfer für den Gott Baal-Amon erinnern. Eine sehr umfangreiche Sammlung von phönizisch - punischen Töpferwaren kann betrachtet werden. All diese Keramik wurde auf Mozia hergestellt. Wertvolle Flaschen aus Glaspaste für Öle und
Parfüme, sowie zahlreiche Kleinkunstwerke aus dem Ägypten der Pharaonen zeugen von den zahlreichen und intensiven Handelsbeziehungen der Mozieser mit dem Orient. Das Prunkstück des Museums ist der "Ephebe von Mozia" eine lebensgroße Marmorfigur. Sie stellt einen jungen Mann mit einer Tunika dar. Nach den Erkenntnissen der Gelehrten soll es sich um einen phönizischen Herakles handeln.
Viele hundert Jahre konnte Mozia den Expansionsversuchen anderer trotzen. Dann stellte Dionysios, der Tyrann von Syrakus, Expansionsansprüche. Nach sehr langer Belagerung musste sich die Stadt im Jahr 397 v. Chr. ergeben. Die Insel wurde in Brand gesteckt und die Stadt völlig zerstört. Die Feuerspuren sind noch an den Verteidigungsmauern zu sehen. Aber die Geschichte der Phönizier von Mozia endete nicht mit der Zerstörung. Die Wenigen, die den Untergang Mozias überlebt haben, zogen an das gegenüberliegende Kap und gründeten eine neue Siedlung. Sie wurde Lilibeum genannt und spielte eine strategisch wichtige Rolle in der antiken Geschichte Siziliens und des ganzen Mittelmeerraumes. Heute heißt diese Stadt Marsala.