der größte europäische Vulkan
Majestätisch erhebt sich einer der größten Vulkane der Erde, ohne Zweifel aber der größte Europas in Küstennähe des Ionischen Meeres zwischen Taormina und Catania. Dieser Gigant erreicht am Fuß einen Umfang von etwa 300 Kilometer und eine Höhe von 3340 Meter. Sein Feuer hat er nicht eingebüßt, vielleicht aber seinen Schrecken, wenn die Natur ihren Zorn mit ungeheuerlicher Gewalt die glühende Lava aus dem Erdinneren herausschleudert. Rauchend, Feuer speiend, Katastrophen verursachend und Menschenleben dahinraffend hat der Vulkan die Phantasie der Menschen angeregt. Homer überliefert die Sage von den Zyklopen, jenen einäugigen Riesen, welche in den weitläufigen Gebieten des Ätna lebten, und Vulkanus, dem Gott der Schmiede halfen, in der rauchenden Esse die Blitze für Jupiter zu schmieden. Auch heute spielt der Glauben der Einheimischen eine große Rolle in Bezug auf den Berg.
Die höchsten Krater des Vulkans sind der Zentralkrater, der Nordostkrater und der aktivste der drei, der Neue Schlund. Aus dem Zentralkrater strömt unter normalen Umständen friedlich weißgrauer Rauch, während in den anderen Beiden oft Explosionen stattfinden, gefolgt von Gestein- und Ascheauswürfen.
er ist nicht immer so friedlich
Die zahlreichen Eruptionen haben in der Vergangenheit mehr oder minder katastrophale Folgen gehabt. Die Geschichtsschreiber erwähnen besonders die Ausbrüche in den Jahren 475, 396, und 36 v. Chr. sowie die der heutigen Zeitrechnung 1183, 1329, und 1669, wobei der Lavastrom bis nach Catania hinunterfloss. 1928 wurde während eines kurzen und heftigen Ausbruchs die Stadt Mascali zerstört.
der Ätna zeigt seine Urgewalt
Der Lavastrom reichte bis ans Meer und verwüstete auf seinem Weg eintausend Hektar Land. Das letzte Jahrhundert war ebenfalls von immer wiederkehrenden Ausbrüchen gekennzeichnet, von denen einige besonders schwere und große Schäden und Zerstörung im Umkreis des Ätna mit sich brachten. Im Jahr 1971 brach der Vulkan wieder mit seiner zerstörerischen Kraft aus. Der Ausbruch dauerte mehr als drei Monate lang an.
hier werden für Jupiter die Blitze geschmiedet
Dabei wurde die Seilbahn, welche die Touristen hinaufbeförderte, und die Vulkanwarte zerstört. Der Osthang des Berges öffnete sich und die Lava erstarrte erst sieben Kilometer vor dem Meer. Zu den spektakulärsten gehört wohl der noch nicht lang zurückliegende Ausbruch im Frühjahr 1983, bei dem auf Sprengungen zurückgegriffen werden musste, um die ungeheuren Lavaströme, die einige Ortschaften bedrohte, in sichere Zonen zu leiten. Auch im Jahr 2001 zeigte der Berg wieder seine Unberechenbarkeit. Was Wissenschaftler und Touristen mit Begeisterung verfolgten, ließ die Bevölkerung einige Wochen lang um Leib und Leben, sowie um ihr Hab und Gut bangen.
Ein besonderes Merkmal des Ätna ist die Vielfalt der Vegetation, die seine Hänge bedeckt und mit zunehmender Höhe wechselt und schließlich in den oberen Regionen in einer wüstenartigen Landschaft endet. In den unteren, sehr fruchtbaren Gebieten findet man ausgedehnte Orangenhaine, andere Obst- und Nussbäume und vor allem die berühmten Weingärten, deren Trauben den hervorragenden Ätnawein liefern.
erste Vegetation auf dem Ätna
Knorrige Ginsterbüsche besiedeln die anschließenden Regionen bis man endlich in ein Gebiet kommt, in dem nur die zahlreichen Pionierpflanzen vorkommen. Sie versuchen die Öde zu kolonisieren, aber irgendwann fallen sie wieder der vom Berg herunter fließenden, glühenden Lava zum Opfer.
es blüht wieder etwas, dort wo die Lava floss
erstes Grün zwischen der erstarrten Lava
Ginster hat sich angesiedelt
Für Sizilienbesucher ist ein Abstecher zum Ätna ein unerlässliches Muss. Ausgangspunkt einer Tour in die höher gelegenen Regionen ist zum Beispiel die Anfahrt über die Südseite des Vulkans. Mit dem Auto kann man über eine Serpentinenstrasse bis zum 2000 Meter hoch gelegenen Parkplatz gelangen. Die nächsten 500 Meter überwindet man mit einer Seilbahn. Von der oberen Seilbahnstation fahren dann Jeeps bis etwa 3000 Meter. Um eine aktive Stelle des Berges zu besichtigen, kann man sich hier einem Bergführer anschließen. Erwähnen möchte ich noch, dass festes Schuhwerk unbedingt nötig ist da das feine Lavagestein sehr locker ist. Auch ist mitunter lange Kleidung von Nöten, da es selbst im Juli oder August auf dem Berg recht frisch sein kann.
Seilbahn auf den Berg
geländegängige Busse fahren weit nach oben
An den wenigen klaren Tagen die es hier oben gibt, reicht die Sicht über weite Teile Siziliens, vielleicht sogar bis zu den Küsten Kalabriens. In einer Höhe von 3000 Metern sieht man am Fuß des Vulkans das blaue Meer, Catania und die anderen Orte die sich an die Hänge anschmiegen. Wer sich einen Ausflug zum Ätna gönnt, wird den grollenden und rauchenden Beherrscher Siziliens so sehen, wie ihn die Sizilianer nennen. "Mongibello" - der Berg der Berge.